Gesundheitskolumne

Ticken Sie noch richtig? – Arzneimittel pünktlich einnehmen – Teil I

Nicole Lippka-Mönnich, Apothekerin
Staggenborg-Apotheke im Marktkauf, Elmshorn
erschienen 23. August 2010

Bild: Ticken Sie noch richtig? – Arzneimittel pünktlich einnehmen – Teil I
So verschieden wir Menschen doch sind, so haben wir doch eines gemeinsam, die innere Uhr. Der Tag-Nacht- Rhythmus steuert unser Wach- und Schlafbedürfnis. Er ist sogar unabhängig von der Helligkeit, wie Isolationsexperimente gezeigt haben. Aber wussten Sie auch, dass die Funktion des Blutdruckes, des Pulses, der Temperatur, die Ausschüttung von Hormonen und die Durchblutung von Organen einem 24 Stunden Rhythmus folgt? Die Körpertemperatur ist am Abend höher als am Tag, so dass sich die besten Aussagen über Fieber am Morgen machen lassen. Nach Mitternacht wird vermehrt das „Ruhehormon“ Melatonin gebildet, um Sie in den Schlaf zu wiegen. Auch die Wachstumshormone sind Nachts am aktivsten und lassen Hautzellen und Haare gedeihen.
Seit noch nicht allzu langer Zeit beschäftigt sich das Gebiet der Chronopharmakologie mit diesen sogenannten zirkadianen Rhythmen und deren Einfluss auf die Arzneimitteleinnahme. Durch den richtig gewählten Einnahmezeitpunkt eines Arzneimittels lässt sich nicht nur die Dosis teilweise deutlich senken, auch die unerwünschten Wirkungen können stark reduziert werden. Ebenso treten viele Erkrankungen, Beschwerden und auch Schmerzen abhängig von der Tageszeit auf. So ist das Schmerzempfinden des Menschen am Nachmittag am geringsten, weshalb es sich empfiehlt, den Besuch beim Zahnarzt, auf diesen Zeitpunkt zu verschieben.
Auch spielt der Einfluss der Nahrungsaufnahme in diesem Rhythmus eine wichtige Rolle.Viele Medikamente werden morgens auf nüchternen Magen am Besten und schnellsten vom Körper aufgenommen. Die Magenentleerung erfolgt am Morgen schneller, so dass die Tabletten rascher Ihren Aufnahmeort im Dünndarm erreichen und früher wirken können. Zudem ist die Durchblutung der Darmgefäße in den frühen Morgenstunden am höchsten, weshalb gerade fettlösliche Medikamente besser aufgenommen werden können. Die Durchblutung der Leber und Niere spielt insofern eine Rolle, da die Medikamente von diesen Organen umgewandelt und ausgeschieden werden.
Unser Kortisonspiegel steigt in den frühen Morgenstunden stark an, sinkt dann rasch wieder ab um dann gegen Mitternacht seinen Tiefpunkt zu erreichen. Sollten Sie aufgrund einer Autoimmunerkrankung wie z.B. Rheuma oder einer andern Erkrankung Kortison einnehmen müssen, so sollte die Einnahme am Morgen erfolgen. Dann ist auch die körpereigene Produktion dieses Hormons am stärksten und wird am wenigstens durch die Einnahme gestört. Hierdurch lassen sich schwere Nebenwirkungen deutlich reduzieren. Dies gilt nicht für Kortikoide die auf die Haut aufgetragen werden oder inhaliert werden müssen.
Weitere Einflüsse von der Einnahmezeit und wie sich dadurch Nebenwirkungen reduzieren lassen, erfahren Sie dann nächste Woche.