Gesundheitskolumne

Arzneimittelmissbrauch

Lars Radünz, Apotheker
Staggenborg-Apotheke im Marktkauf, Elmshorn
erschienen 08. März 2010

Bild: Arzneimittelmissbrauch
Arzneimittelmissbrauch liegt vor, wenn ein Arzneimittel absichtlich, d.h. ohne medzinische Notwendigkeit, dauerhaft und/oder übermäßig verwendet wird, und es in der Folge zu körperlichen oder psychischen Schäden kommt. Auch freiverkäufliche Arzneimittel können zu einem Medikamentenmissbrauch führen. Daher sollte man immer auf die korrekte Dosierung und eine kurze Anwendungsdauer der jeweiligen Mittel achten. Typische Beispiele für den Missbrauch freiverkäuflicher Arzneimittel sind abschwellende Nasensprays / -tropfen, Schmerzmittel, Schlafmittel und Abführmittel.
Nasensprays, die ein Abschwellen der Nasenschleimhaut bewirken, sollten nicht länger als sieben Tage angewendet werden. Ansonsten verstopft die Nase nach Absetzen wieder und man greift zur Erleichterung der Beschwerden immer wieder zum Nasenspray. Infolgedessen wird die Nasenschleimhaut geschädigt und kann in ihrer Schutzfunktion eingeschränkt sein. Zur Entwöhnung empfiehlt es sich die Dosis „auszuschleichen“, d.h. schrittweise zu reduzieren, beispielsweise durch Verwendung eines Kindernasensprays. Zur Pflege der Nasenschleimhaut kann zur Unterstützung ein Nasenspray mit Kochsalzlösung verwendet werden.
Schmerzmittel sollten in der Selbstmedikation nicht länger als drei Tage am Stück und nicht häufiger als 10 Tage im Monat verwendet werden. Bei übermäßigem bzw. längerem Gebrauch können diese Mittel zu einem arzneimittelbedingten Dauerkopfschmerz führen, so dass immer wieder zu dem Schmerzmittel gegriffen wird. Als Langzeitschäden können bei Dauergebrauch das Entstehen eines Magengeschwüres oder Nierenschädigungen begünstigt werden. In jedem Fall sollte bei einem dauerhaften Gebrauch von Schmerzmitteln ein Arzt zu Rate gezogen werden.
Auch bestimmte freiverkäufliche Schlafmittel, wie z.B. Hoggar® oder Betadorm®, sollten nur kurzfristig, d.h. nicht länger als 14 Tage, angewendet werden. Ansonsten kann es nach dem abrupten Absetzen dieser Mittel wieder zu Schlafstörungen kommen. Auch in diesem Fall sollte die Dosis schrittweise reduziert werden. Zur Unterstützung bei der Entwöhnung kann man auf pflanzliche Schlafmittel, die z.B. Baldrian enthalten (Baldriparan® u.a.), zurückgreifen, da für diese kein Missbrauchspotenzial besteht.
Ein Arzneimittelmissbrauch mit Abführmitteln liegt vor, wenn diese Medikamente z.B. zum Abnehmen eingesetzt werden. Der Körper baut kein Fett ab, sondern scheidet lediglich vermehrt Flüssigkeit und Elektrolyte aus, was bei einem Dauergebrauch zu ernsten gesundheitlichen Problemen führen kann.
Generell sollte man sich auch bei freiverkäuflichen Arzneimitteln an die Angaben der Packungsbeilage hinsichtlich der Anwendungsgebiete, Dosierung und vor allem auch der Anwendungsdauer halten, um eine schädigende Wirkung dieser Mittel zu vermeiden.