Gesundheitskolumne

Ticken Sie noch richtig? – Arzneimittel pünktlich einnehmen - Teil II

Nicole Lippka-Mönnich,Apothekerin
Staggenborg-Apotheke im Marktkauf, Elmshorn
erschienen 30. August 2010

Bild: Ticken Sie noch richtig? – Arzneimittel pünktlich einnehmen - Teil II
Um am Morgen richtig wach werden zu können, verengen sich unsere Blutgefäße, der Blutdruck steigt an und die Herzfrequenz nimmt zu. Ein gesundes Herz kann mit diesen starken Veränderungen problemlos umgehen. Sind jedoch schon Schädigungen am Herzmuskel oder den Gefäßen vorhanden, ist die Belastung zu groß. Da scheint es nicht verwunderlich, dass die Herzinfarktrate am frühen Morgen deutlich höher ist, als im Laufe des Tages. Daher sollten Herz-Blutdruckpatienten im Regelfall ihre Medikamente am Morgen einnehmen. Eine Ausnahme bilden die sogenannten Non-Dipper. Normalerweise sinkt der Blutdruck in der Nacht um ca. 15% ab. Bei diesen Patienten allerdings ist der Abfall des Blutdruckes wesentlich geringer. Wenn diese nun morgens ihre Medikamente einnehmen, ist die abendliche Konzentration im Blut zu gering und es kommt deutlich häufiger zu Folgeschäden am Herzen. Daher empfiehlt sich für diese Patienten eine abendliche Einnahme oder eine zusätzliche Dosis. Um festzustellen wie sich der Blutdruck über den Tag verhält, ist es daher sinnvoll eine 24 Stunden Messung durchzuführen.
Die Magensäureproduktion ist am Abend am höchsten und somit auch die Häufigkeit eines Magendurchbruchs infolge eines Magengeschwürs. Die flache Liegeposition im Bett begünstigt den Rücklauf des Magensaftes in die Speiseröhre zusätzlich, so dass es in der Nacht am Häufigsten und stärksten zu Sodbrennen kommt. Sogenannte H2-Blocker wie z.B. Zantic® sollten daher vor dem Zubettgehen eingenommen werden. Anders ist es hingegen bei den sogenannten Protonenpumpeninhibitoren wie z.B. Antra®. Diese nimmt man am Besten morgens vor dem Frühstück ein. Sie gelangen dann besser in die Blutbahn, da die Magen-Darm-Durchblutung morgens am stärksten ist, dadurch ist mehr Wirkstoff für den Körper verfügbar. Dies liegt daran, dass durch die geringere Magensäurekonzentration am Morgen weniger Wirkstoff im Magen zersetzt wird bevor dieser überhaupt aufgenommen werden kann. Antazida hingegen (z.B. Magaldrat Ratio®) können unabhängig von der Tageszeit eingenommen werden.
Rheumapatienten leiden gerade morgens nach dem Aufstehen unter Schmerzen und Gelenksteifigkeit. Daher sollten Schmerzmittel am Abend vor dem Zubettgehen eingenommen werden. Das gilt auch beim gesunden Menschen, welcher z.B. unter Zahnschmerzen leidet. Das Schmerzempfinden ist in der Nacht ausgeprägter, so dass bei beginnenden Beschwerden vorsorglich eine leichte Schmerztablette zur Nacht eingenommen werden sollte wie z.B. Ben-U-ron®.
Anders ist es bei Patienten mit Knochenschmerzen (z.B. Osteoarthritis), hier nehmen die Beschwerden im Tagesverlauf durch vermehrte Belastung zu, so dass die Medikamenteneinnahme am Morgen erfolgen sollte.
Dies sind nur ein paar Beispiele und wir kennen bestimmt auch noch nicht alle Zusammenhänge, fragen Sie am Besten immer Ihren Arzt oder Apotheker nach dem richtigen Einnahmezeitpunkt für Ihr Medikament.