Gesundheitskolumne
Sodbrennen
Herr Jan-Philipp Paltins, Apotheker in der staggenborg Apotheke im Plaza Buxtehude
erschienen am 13.12.2010
Gefühl hinter dem Brustbein bekannt. Aber was ist der Grund dafür, dass wir dieses lästige, schmerzhafte Gefühl empfinden? Was ruft dieses hervor und was können wir machen, um die Beschwerden zu lindern, dessen Häufigkeit zu minimieren und eventuelle Komplikationen vorzubeugen? Was ist Sodbrennen überhaupt und wie entsteht es?
Sodbrennen oder Reflux (lateinisch Rückfluss) entsteht als Folge des Rückflusses der Magensäure aus dem Magen zurück in die Speiseröhre. Dessen Schleimhaut fehlt aber der Säureschtz, der den Magen dagegen unempfindlich macht. Als Folge davon können Irritationen, Entzündungen, Erosionen und sogar Geschwüre auf der Schleimhaut entstehen, die mit dem brennenden Gefühl einher gehen.
Der häufigste aber nicht der einzige Grund für den Reflux ist eine Schwächung des Ösophagus-Sphinkter, dessen Schließmuskel zwischen dem Magen und der Speiseröhre sitzt.Wenn die Nahrung durch die Speiseröhre in den Magen transportiert wird, öffnet sich den Sphinkter. Er schließt sich wieder, wenn dieser Prozess beendet ist. Alles, was den Tonus des Sphinkters senkt und deren Muskulatur schwächt, kann das Auftreten des Refluxes begünstigen. Zu solchen Faktoren gehören: zunehmendes Alter, Personen über 50 sind öfter betroffen; Übergewicht: weil der Druck im Unterleib und auf den Sphinkter wächst; Geschlecht: Männer leiden öfter unter Sodbrennen als Frauen. Viele Frauen leiden während der Schwangerschaft unter Sodbrennen. Außerdem können bestimmte Nahrungsmittel wie, z.B.Schokolade, fettreiche Nahrungsmittel, Zwiebel, Knoblauch, Pfefferminz und Medikamente wie Nifedipin, Verapamil, Diltiazem, Antihistaminika, Orale Kontrazeptiva den Tonus des Sphinkters abschwächen.
Was könnte unternommen werden, um die Beschwerden zu lindern oder vorzubeugen?
Dazu kann eine Reihe von nicht medikamentösen Maßnahmen ganz hilfreich sein.
Man sollte die Nahrungsmittel meiden, die den Reflux provozieren können. Außerdem sollten die Lebensmittel vermieden werden, die zu einer Reizung der Ösophagus Schleimhaut führen können; wie z. B. Tomaten und Tomatenprodukte, Alkohol, Kaffee, Citrus Säfte und coffeinhaltige Getränke. Man sollte üppige Mahlzeiten meiden, Körpergewicht reduzieren, möglichst mit dem Rauchen aufhören und Alkohol-Konsum einschränken. Die Kleidung sollte nicht zu eng sein .
Für diejenigen, die meistens nachts oder in liegender Position an Sodbrennen leiden, empfiehlt es sich den Kopfteil des Lattenrostes nach oben zustellen. Solche erhöhte Körperposition verbessert den Transport der Nahrung aus der Speiseröhre in den Magen. Einfach ein Kissen unter den Kopf legen reicht nicht aus, da in dieser Position der Druck im Magen wächst und der Reflux wird verstärkt.
Wenn nicht medikamentöse Maßnahme nicht ausreichen, um den Reflux in den Griff zu kriegen, kann man zu Medikamenten greifen, die zur Linderung von Sodbrennen und zur Behandlung von ösophogaler Reflux-Krankheit bestimmt sind.
Am häufigsten werden dabei in der Selbstmedikation Antazida verwendet. Antazida sind basische Verbindungen, die die Magensäure neutralisieren. Auch der Tonus des ösophogalen Sphinkters wird im basischem Milieu erhöht und der Reflux findet seltener statt. Antazida werden in Form von Pulver, z. B. Kaisernatron®, Kau- und Lutschtabletten, z.B. Talcid®, Rennie®, Maaloxan®, Kompensan®, Riopan® und in Form von Suspensionen, z. B. Riopan®, Maaloxan® produziert. In Suspensionsform lösen sich Antazida im Magensaft am schnellsten. Deswegen wird mit diesen Mitteln der schnellste Wirkungseintritt erzielt. Um den Geschmack von Suspensionen zu verbessern, kann man diese kühlen, aber nicht einfrieren. Kautabletten sollten gut gekaut werden.
Verschiedene Substanzen werden als Antazida benutzt.
1. Die beste Wirkung hat die Kombination von Magnesium-und Aluminium-hydroxiden(Maaloxan®, Kompensan®,Riopan®), da diese Präparate die höchste säureneutralisierende Wirkung haben, schnell wirken und eine Wirkdauer bis zu 3 Stunden aufweisen.
2. Natrium bicarbonat (Kaisernatron®) sollte nicht über längere Zeit eingenommen werden, auf Grund einer hohen Natriumzufuhr des Körpers. Die Natrium Zufuhr sollte eingeschränkt werden bei Wasseransammlungen, Koronarer Herzkrankheit und Leberzirrhose. Die Substanz löst sich schnell im sauren Mageninhalt und neutralisiert diesen. schnell . Die Wirkdauer ist aber nur sehr kurz (ca 20 bis 40 Minuten). Außerdem kann dieses Mittel die verstärkte Produktion von Magensäure anregen.
3. Kalziumcarbonat (Rennie®) löst sich im Mageninhalt langsamer aber wirkt länger. Dieses Mittel kann eine gute Kalzium Quelle sein und darf kurzfristig bei Sodbrennen während der Schwangerschaft eingenommen werden, kann aber zu Verstopfungen führen.
Die beste säure neutralisierende Wirkung von Antazida wird erreicht, wenn diese eine Stunde nach dem Essen eingenommen werden. Man kann die Tablette 4 bis 5 Mal täglich und vor dem Schlafen gehen einnehmen. Dessen Wirkung dauert nicht lange genug um eine völlig beschwerdefreie Nacht zu gewährleisten. Alle Antazida können die Aufnahme von anderen Medikamenten aus dem Darm beeinträchtigen, deswegen sollten die Antazida 2 Stunden vor oder 2 Stunden nach der Einnahme anderer Medikamente eingenommen werden. Dies ist besonders zu berücksichtigen, wenn gleichzeitig ein wassertreibendes Mittel, Makrolid-und Quinoline Antibiotika und Eisenverbindungen eingenommen werden. Bei Niereninsuffizienz sind Antazida kontraindiziert.
4. Alginin Säure und dessen Derivate ( Gaviscon®).
Algin Säure reagiert im Magen mit Natrium hydrocarbonat und Speichel. Dabei entsteht eine viskose Lösung. Diese Lösung sammelt sich auf der Oberfläche vom Mageninhalt und tritt bei Reflux in die Speiseröhre zurück und schützt dessen Schleimhaut von Reizungen und Irritationen. Alginsäure Derivate sind zugelassen für eine kurzfristige Behandlung von Sodbrennen während der Schwangerschaft. Diese sollten mit viel Wasser eingenommen werden und passen nicht für die Einnahme vor dem Schlafengehen, weil man nach dessen Einnahme 2 Stunden in aufrechter Position bleiben soll.
5. Famotidin (Pepsid akut®, Pepciddual®) und Ranitidin (Ranitic 75 akut® b. Sodbrennen., Zantic® 75 mg Magentabletten) werden zur Behandlung und Prävention von Reflux verwendet. Diese Präparate unterdrücken die Ausscheidung von Salzsäure in Magen und erhöhen den PH-Wert des Mageninhaltes. Deswegen produziert der zurückfließende Mageninhalt weniger Schaden in der Speiseröhre. Die Wirkung setzt bei diesen Präparaten langsamer ein (ca. nach 1-2 Stunden), dauert aber bis 10 Stunden. Man nimmt diese 2 Mal täglich 1 Stunde vor dem Essen oder nur Abends vor dem Schlafengehen. Normalweise werden diese Präparate gut vertragen und haben wenig Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.
6. Protonenpumpeninhibitoren Omeprazol (Omep® und Pantoprazol (Pantozol protect®) unterdrücken die Bildung von Salzsäure im Magen. Die Wirkung tritt langsamer ein ( es kann bis zu einem Tag dauern), aber hält sich bis zu 3 Tagen. Die Präparate aus dieser Gruppe gehören zu den effektivsten Mittel zur Behandlung von erosiven und nicht erosiven Reflux Erkrankungen. Am stärksten wirken diese, wenn sie morgens früh 1 Stunde vor dem Frühstück eingenommen werden. Omeprazol ist bei gleichzeitiger Einnahme mit Clopidogrel (Thrombozytenaggregationshemmer) kontraindiziert. Ohne ärztliche Kontrolle sollten diese Präparate nicht länger als 14 Tage innerhalb von 4 Monaten verwendet werden.
Man sollte aber die Grenze für die Selbstmedikation erkennen und wissen, wann man sich an einen Arzt wenden sollte. Bei Schluckbeschwerden, Erbrechen mit Blut oder ohne,wenn die Beschwerden länger als 2 Wochen ununterbrochen entstehen und mit starken Schmerzen einhergehen, sollte unbedingt Arzt aufgesucht werden.
