Gesundheitskolumne

Da bleibt kein Auge trocken

Silke Bürger, Apotheker-Assistentin
Staggenborg-Apotheke im Marktkauf, Prisdorf
erschienen 21. Dezember 2009

Vor einigen Tagen habe ich Herrn Meier * bedient. Er kommt von seinem Augenarzt und reicht mir widerwillig ein Rezept. Die private Verordnung lautet über befeuchtende Augentropfen. „So’n Quatsch,“ brummt Herr Meier, „Meine Augen sind nicht trocken, sie sind nur ständig gerötet, und ich habe das Gefühl, als wäre ein Sandkorn darin.“ Während Herr Meier noch spricht, kullert ihm eine Träne die Wange hinunter. „Sehen Sie, sehen Sie selbst…..hier. Von wegen trocken! Meine Augen sind eher zu feucht!“ An dieser Stelle war klar, Herr Meier brauchte nicht nur das verordnete Medikament, sondern Aufklärung.
Trockene Augen sind ein weitverbreitetes Augenproblem. Etwa 20 – 30% der Bevölkerung sind davon betroffen, mit steigender Tendenz. Die Beschwerden sind vielfältig. Die Augen können gerötet sein, sie jucken und ermüden schnell und sind besonders lichtempfindlich. Oft plagt den betroffenen Patienten ein unangenehmes Sandkorn- oder Fremdkörpergefühl im Auge. Jeder Lidschlag kann richtig wehtun. Beim Erwachen sind die Augenlider oftmals verklebt. Kontaktlinsen oder Augenkosmetika werden nur noch schlecht vertragen. Daneben erleben viele Betroffene ein überraschendes Phänomen: Tränen kullern oft grundlos.
Wie kann es dazu kommen?
Unser Auge ist umgeben von einem sich ständig neu bildenden Tränenfilm. Mit jedem Lidschlag sorgen wir für seine gleichmäßige Verteilung über Hornhaut und Bindehaut. Damit das gut funktionieren kann, besteht der Tränenfilm aus 3 Schichten. Die innenliegende Mucinschicht ist schleimhaltig und sorgt für gute Benetzung und Haftung an der Augenoberfläche. Die mittlere, wässerige Schicht enthält Salze und Nährstoffe, die äußere Lipidschicht sorgt dafür, dass der Tränenfilm nicht zu schnell verdunstet. Insgesamt dient die Tränenflüssigkeit also dazu, das Auge gleichmäßig zu benetzen, mit Nährstoffen zu versorgen, kleine Fremdkörper und Schadstoffe abzuwehren und auszuschwemmen und für Bakterien und Viren keinen Eintritt zuzulassen. Ist die Zusammensetzung des Tränenfilms gestört, oder wird zu wenig Tränenflüssigkeit gebildet, kommt es zum sogenannten Trockenen Auge. Innere und äußere Einflüsse können für die Entstehung dieses Krankheitsbildes verantwortlich sein. Ist die Produktion des Tränenfilms gestört – das kann sich sowohl auf die Menge der Tränenflüssigkeit wie auch auf deren Zusammensetzung beziehen - , kommt es zu Benetzungsstörungen des Auges mit den genannten, zum Teil sehr unangenehmen Befindlichkeitsstörungen bis hin zu Augenerkrankungen. Ursachen dafür sind zu finden in altersbedingten Veränderungen der Schleimhäute, in hormonell verursachter Zusammensetzungsveränderung oder Verminderung der Tränenflüssigkeit, Vitamin-A-Mangel, Verengung an den Tränenkanälen. Ebenso können auch bestimmte bestehende Grunderkrankungen, einige Medikamentengruppen und – nicht zu vergessen - eine nicht ausreichende Flüssigkeitsaufnahme die Entstehung des Trockenen Auges begünstigen.
Und - natürlich spielen auch äußere Einflüsse eine Rolle. Zugluft, trockene Heizungsluft, Klimaanlagen, Arbeiten am Bildschirm mit vermindertem Lidschlag tragen ursächlich zu dem Krankheitsbild bei. Abhilfe und Linderung der Symptome bringen Künstliche Tränen, das sind benetzende Augentropfen oder Augengele. Es gibt sie in unterschiedlicher Viskosität, je nach Schwere der vorliegenden Erkrankung. Manche Präparate haben besondere Tropfvorrichtungen und sind für die Dauer von 3 Monaten anzuwenden. Daneben gibt es die praktischen Einmaldosen, die zumeist ohne Konservierungsstoffe hergestellt werden. Künstliche Tränen können zeitlich unbegrenzt eingesetzt werden.