Gesundheitskolumne

Wenn der Wadenkrampf die Nachtruhe stört ...

Silke Bürger, Apotheker-Assistentin
Staggenborg-Apotheke im Marktkauf, Prisdorf
erschienen 16. November 2009

Übernächtigt und hilfesuchend steht die Kundin vor mir. Die gewaltsame Unterbrechung ihres Schlafs der vergangenen Nacht ist ihr deutlich ins Gesicht geschrieben.
„War das eine Nacht! In den frühen Morgenstunden weckte m ich ein heftiger, schmerzhafter Krampf in der Wade. Er löste sich langsam, als ich aus dem Bett sprang und den Fuß fest auf den Boden drückte. Danach war noch lange die Anspannung im Muskel zu spüren. Was kann ich tun?“
Mit der Erfahrung eines nächtlichen Wadenkrampfes steht die Kundin keineswegs allein. Etwa 40 % der Bevölkerung kennen dieses Problem aus eigenem Erleben. Es sind nicht nur Sportler oder körperlich aktive Menschen betroffen. Auch mit zunehmendem Alter mehrt sich die Anfälligkeit für Muskelkrämpfe oder schmerzhafte Verspannungen. Was können Auslöser dafür sein? Zu den möglichen Ursachen zählen:
Unzureichende Durchblutung, Überbeanspruchung der Muskulatur durch körperliche Aktivitäten, einseitig belastende Körperhaltungen, schweißtreibende Sportarten, psychische Überbeanspruchung und chronische Erkrankungen im Alter wie Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen oder Diarrhöen. Alle diese Möglichkeiten haben Einfluss auf den Mineralstoffhaushalt in den Muskelzellen und können zu einer Magnesiummangelversorgung führen. Magnesium kann der Körper nicht selber produzieren, er muss es mit der täglichen Nahrung zuführen. Besonders gute Quellen sind dabei Getreideprodukte (Vollkorn), Hülsenfrüchte, Gemüse, Kartoffeln, Bananen und Nüsse. Nicht zu vergessen magnesiumreiche Mineralwässer (>100mg/l). Wird nicht ausreichend Magnesium mit dem Trinken oder Essen aufgenommen, dazu durch Sport reichlich mit dem Schweiß ausgeschwitzt oder vermehrt durch Krankheit ausgeschieden, mobilisiert der Körper seine Reserven,- sprich - er holt sich den nötigen Mineralstoff aus seinen Speichern, die vor allem in den Knochen zu finden sind. So bleibt die Fehlversorgung oft lange Zeit unentdeckt bis…ja bis Muskelzuckungen oder Krämpfe dies auf unangenehme Weise anzeigen. Wie entsteht nun so ein Krampf? Jeder Muskel besteht aus einer Vielzahl von Muskelfasern, die mit feinen Nerven verbunden sind. Über diese Nerven schickt das Gehirn bei willkürlichen Bewegungen einen Reiz, der die Muskelfasern zur Kontraktion anregt. So werden Anspannung und Entspannung in den Muskelfasern gesteuert durch elektrische Signale im Nerv. Bei Magnesiummangel ist die Erregbarkeit von Nerv und Muskel sowie die Nervenleitgeschwindigkeit erhöht und es kann zu Krämpfen kommen. Dies betrifft teils einzelne Muskelfasern oder gemeinsam den gesamten Muskel. Besonders häufig geschieht dies in der Nacht. Der Mineralstoffwechsel unterliegt nämlich tageszeitlichen Schwankungen und ist nachts niedriger als am Tag.
Ich komme zurück zum Anliegen meiner Kundin. Sie sucht schnelle Hilfe bei schmerzhaften Wadenkrämpfen. Durch gezieltes Nachfragen versuche ich Näheres über die Beschwerden wie auch über die Ess- und Bewegungsgewohnheiten der Kundin zu erfahren. Es stellt sich heraus, dass sie seit Wochen eine einseitige Diät macht und sich dreimal in der Woche zum Laufen verabredet. Ich rate dieser Kundin zu einer ausgewogenen Kost und zur Einnahme von einem Magnesiumpräparat mit einem Gehalt von 300 mg für mindestens vier Wochen.
Magnesium gibt es in unterschiedlichen Stärken und Zubereitungen. Am beliebtesten sind Brausetabletten oder Kapseln. Aber auch Präparate zum Lutschen oder zur Direkteinnahme ohne Wasser sind auf dem Markt. Für jeden Geschmack etwas.
Neben Magnesium möchte ich eine weitere Therapiemöglichkeit erwähnen, den Wadenkrämpfen zu begegnen. Auf dem Markt sind Tabletten mit dem Wirkstoff Chininsulfat. Chinin ist eine Natursubstanz des mittelamerikanischen Cinchona-Baumes. Dieser Stoff hat eine muskelentkrampfende Wirkung. Dabei wirkt er nicht zentral (vom Gehirn aus) sondern peripher. Er verhindert, dass die vom Gehirn ausgehenden Impulse auf den Muskel übertragen werden. In der Apotheke Ihres Vertrauens beraten wir Sie gerne bei Ihren Gesundheitsfragen.