Gesundheitskolumne

Viele Eltern fragen sich: Ist mein Kind zu dick?

Sebastian Jahn, Apotheker
Staggenborg-Apotheke im Marktkauf, Prisdorf
erschienen 9. November 2009

Bild: Viele Eltern fragen sich: Ist mein Kind zu dick?
Einigen Eltern sollte diese Frage gestellt werden. Es passiert leider zu oft, dass aus dem Wonneproppen ein Moppelchen, dann ein wohl genährtes Kind und zum Schluss ein Dickerchen wird. Die entschuldigende Antwort ist dann oft:“Aber er isst doch so gern!“ Irgendwann verwachsen sich aber die niedlichen Speckfalten an den Kindern nicht mehr und bleiben dauerhaft. Und es ist meistens schwer, diesen Zeitpunkt zu erkennen. Welche Mutter freut sich nicht nicht, wenn der oder die Kleine alles brav aufisst und nicht so wählerisch ist wie der Nachbarjunge. Andere Eltern widerum haben schon vor dem Sturkopf der Kinder kapituliert und streichen daumendicke Schichten Schokocreme aufs Butterbrot. Das können einige der Grundprobleme sein. Oftmals, so muss man leider sagen, ist Fettleibigkeit bei Kindern ein Erziehungsproblem. Wenn Kindern, wie in vielen anderen Dingen, keine Grenzen gesetzt werden, dann wird gegessen was schmeckt und dann auch in Mengen, die ein normales Hungergefühl weit übersteigt. Es werden auch eher Chips und Limonaden bevorzugt zu sich genommen. Die Kinder, die im Übermaß Ost und Gemüse essen, sind leider die Ausnahme. Hinzu kommen veraltete Erziehungsmaßnahmen, der Teller muss leer gegessen werden, sonst gibt es kein schönes Wetter!
Durch diesen erzieherischen Druck wird das natürliche Sättigungsgefühl missachtet und konsequent abtrainiert. Wenn dann doch mal nach kurzer Zeit wieder das Hungergefühl die Kleinen plagt, darf man den Hunger dann natürlich nicht mit kleinen Naschereien stillen, das würde ja einer Belohnung gleichkommen. Wärmen Sie doch die Reste vom Mittagessen noch einmal auf. So eine zweite Mahlzeit sollte natürlich nicht zur Regel werden. Wenden Sie die Tricks an, die auch bei Erwachsenen funktionieren. Beim Essen viel trinken, langsam essen und gut kauen, es werden von vornherein Portionen zugeteilt und der Nachschlag wird erst nach etwa 15 Minuten nachgeholt. Wenn Sie diese Tricks anwenden, hat auch das Hungergefühl genug Zeit sich zu melden. Kinder befinden sich in einer dauerhaften Lern- und Prägephase und lassen sich sehr leicht durch äußere Umstände beeinflussen. Seinen Sie als Eltern ein Vorbild. Klar wollen alle Kinder zu jeder Tages und Nachtzeit Pizza, aber muss es dann gleich die ganze Packung Käse sein und kann man nicht auch mal Putenwurst auflegen anstatt Salami.
Auch naschen sollte nicht kategorisch abgelehnt werden. Das weckt nur Begierde und führt zu unkontrolliertem Essen, sobald Süßes greifbar ist. Richten Sie eine Naschkiste für einen überschaubaren Zeitraum wie eine Woche ein und lassen Sie die Kiste von den Kindern selbst verwalten. Und wenn die Kiste am Dienstag schon leer ist, gibt es bis nächsten Montag nichts Neues. Erwähnt sei hier nochmal, dass viele Diätmethoden, die bei Erwachsenen oft auch mit Erfolg angewendet werden, bei Kinder ungeeignet sind. Von Arzneimitteln zur Gewichtsreduktion sollte man, ohne Rücksprache mit dem Arzt, die Finger lassen. Auch Nulldiäten sind völlig falsch, da Kinder noch in der Wachstumsphase sind, haben sie einen höheren Verbrauch an z.B. Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Zusätzlich sind die Nährstoffreserven längst nicht so gut gefüllt wie bei Erwachsenen. Die Gefahr einer Nährstoffunterversorgung ist wesentlich höher bei Kindern. Nutzen Sie den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder aus, Sport ist immer noch die beste Diät.
Machen Sie sich bewusst, das Übergewicht in der Kindheit oftmals den Rest des Lebens negativ beeinflusst.