Gesundheitskolumne

Arznei-Tees - gegen viele Beschwerden ist ein Kraut gewachsen

Silke Bürger, Apotheker-Assistentin
Staggenborg-Apotheke im Marktkauf, Prisdorf
erschienen 12. Oktober 2009

Wenn ich als Kind über Bauchweh oder einen schmerzenden Hals klagte, dann trat er unweigerlich in Aktion. Wer? Nun der große Wasserkessel in unserem Haus. Meine Großmutter hatte einen unerschöpflichen Vorrat an diversen Kräutertees in ihrem Küchenschrank, die nur auf ihren Einsatz warteten. Ein Becher mit würzig riechendem Getränk war bei jeder Erkrankung immer ihr Mittel der ersten Wahl. Ich muss zugegeben, dass dies damals nicht unbedingt mein Wohlgefallen fand. Mittlerweile hat sich meine Einstellung zu den Arzneitees sehr geändert. Ich weiß sie zu schätzen als gute Hilfe bei leichteren Befindlichkeitsstörungen oder als unterstützende Begleittherapie bei diversen Erkrankungen.
Zum Beispiel bei Erkältungen, wie sie jetzt viele Zeitgenossen plagen. Holunderblüten- oder Lindenblütentee entfalten ihre schweißtreibende Wirkung bei fieberhaften Infekten.
Eibisch, Spitzwegerich oder Isländisch Moos beruhigen als Schleimdrogen die gereizten Schleimhäute und sind Bestandteil von mancherlei Hustenteemischungen.
Fenchel, Anis und Thymian enthalten ätherische Öle, die antibakteriell, entzündungshemmend und krampflösend wirken. Dabei lösen sie zähen Schleim und erleichtern das Abhusten.
Für den Hals bietet sich Salbei an. Ein Tee daraus ist eine gute, desinfizierende und entzündungshemmende Gurgellösung.
Reizungen der Harnwege sind ebenfalls ein weitverbreitetes Übel an kühlen Tagen. Im Anfangsstadium kann Trinken von Blasen- und Nierentee Linderung verschaffen, ansonsten ist es eine gute Begleit- und Durchspültherapie neben vom Arzt verordneten Medikamenten. Birkenblätter, Goldrute, Hauhechel, Orthosiphonblätter, Brennesselblätter oder Schachtelhalm sorgen für eine Vermehrung der Harnmenge und dienen traditionell zur Durchspültherapie. Bärentraubenblätter kommen zum Einsatz bei Blasenentzündung und sind für diese Indikation wohl die die bekannteste Teesorte. Ihr Glykosid Arbutin entfaltet in den Harnwegen eine desinfizierende Wirkung.
Zur Stabilisierung strapazierter Nerven oder zum besseren Einschlafen werden Zubereitungen aus Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Orangenblüten, Melissenblättern oder Passionsblumenkraut genommen.
Auch für Magen- und Darmbeschwerden hat die Natur eine ganze Reihe entsprechende Kräuter hervorgebracht. Am bekanntesten sind Kamillenblüten. Ein Aufguss daraus wirkt heilend und krampflösend. Krampflösend sind auch Schafgarbenkraut und Pfefferminzblätter. Letztere fördern den Gallenfluss und wirken beruhigend. Fenchel, Anis und Kümmel helfen gegen schmerzhafte Blähungen und gegen Völlegefühl. Getrocknete Heidelbeeren wirken durch enthaltene Gerbstoffe adstringierend, sie bilden eine Schutzschicht und beruhigen die Darmschleimhaut. Abführtees sollten nur kurzfristig bei Verstopfung eingesetzt werden, wenn Ernährungsumstellung oder Quellstoffpräparate nicht den gewünschten Erfolg bringen.. Sennesblätter oder Sennesschoten und Faulbaumrinde sind hier die Vertreter.
Die meisten Arzneitees gibt es in praktischen Aufgussbeuteln, als Mischung oder Einzeldroge. Einige Teemischungen werden sogar als lösliche Instanttees angeboten. Darüber hinaus haben Sie als Kunde die Möglichkeit, sich in der Apotheke Ihres Vertrauens einen Arzneitee nach eigenen Wünschen zusammenstellen zu lassen. Wir beraten Sie gerne.